Zu den vorgängigen Impressionen von der Vernissage im November 2013 hier noch ein kurzer Auszug aus der Laudatio:

Martin Heller über Jean Etienne A.
Mich interessiert, warum jemand, der lange sehr erfolgreich Werbebilder produziert hat, jetzt solche Bilder herstellt, auf diese Art und Weise Kunst macht. Ich versuchte es im Katalog in den Legenden herauszufinden – das möchte ich Ihnen sehr empfehlen. Es sind sehr berührende und emotionale Beschreibungen in Form von kurzen Erzählungen. Mit einer Offenheit und Lust von jemandem, der auch ein Voyeur ist. Voyeur zu sein ist eine einsame Sache. Aber man hat die Lizenz, alles zu nehmen, was der eigene Alltag hergibt und daraus etwas zu machen. Versuchen Sie mal, in einem dieser Bilder eine Kassette zu finden mit Mediationsmusik für die Sitzung einer Geschäftsleitung, die offenbar in einem höchsten Krisenmodus war damals. Irgendwo stossen wir auf benutzte Essstäbchen aus einem Restaurant in Hamburg. Oder auf ein Fachbuch "Einfall oder Abfall", aber das Buch ist jetzt blau übermalt und in einem Stapel mit 43 Stück aufgestellt.

In den letzten 30 Jahren Kunstgeschichte haben wir gelernt, dass man aus allem etwas machen kann. Wir haben sogar gelernt, dass Werbung Kunst sein kann. Aber jetzt kommt Jean Etienne, und es passiert etwas ganz anderes. Er kommt 

mit der Farbe. Er nimmt den Pinsel und überstreicht seine eigenen Reliquien. Nicht so flüchtig und rasch, sondern sehr sorgfältig – er schaut, dass man noch spürt, was darunter ist. Es ist ein bewusster Prozess des Übermalens. Es ist nicht einfach ein Zudecken, um es zum Verschwinden zu bringen. Wer das so macht, ist ein Überzeugungstäter. Was aber ist die Überzeugung von Jean Etienne?

Er will Ordnung schaffen. Er verwandelt Unruhe in Ruhe, Bewegung in Stillstand, seine Sammlung in ein Archiv. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Erst das Übermalen macht das Ganze für uns überhaupt mitteilbar. Im Galerietext gibt es kunstwissenschaftliche Hinweise auf die Nouveaux Réalistes. Erst die Farben machen aus den Stillleben Mitteilungen für uns. Wenn jemand Werbung gemacht hat, hat er Botschaften hergestellt. Laut und leise. Es sind nicht die eigenen Botschaften, sie werden gemessen an dem, was sie für andere erreichen. Was hält ihn davon ab, Winzer zu werden, was veranlasst ihn, jetzt eben Kunst zu machen?


Wenn ich mir das so plastisch vorstelle, dann glaube ich, dass sich da jemand lange mit Botschaften herum plagen musste..., dass er durch das Ganze an einen Punkt kommt, uns mit seinen jetzigen Bildern ganz neue Mitteilungen zu schenken. Ein Schritt, zu dem man nur gratulieren kann.